Buchempfehlung: „Bloggen gegen Rassismus“

Buchcover von Said Rezeks

Heute wollen wir euch das neue Buch von Said Rezek „Bloggen gegen Rassismus – Holen wir uns das Netz zurück“ vorstellen und empfehlen. In dem Sachbuch führt der Blogger, der das Thema Rassismus in seinen Beiträgen behandelt, an das Thema des erfolgreichen Bloggens heran. Das Buch hat uns persönlich viel Freude bereitet beim Lesen, die wir euch auch wünschen.

Das Vorwort, verfasst von Sina Laubenstein, führt in die Thematik „Bloggen gegen Rassismus“ ein. Hier beschreibt Laubenstein, dass Hass aus dem digitalen Raum in unseren analogen Lebensraum übergeht. Ihre Haltung ist deshalb: Wir müssen jetzt aktiv werden, um uns das Netz zurückzuholen.

In der Einleitung beschreibt der Autor, dass seine Tochter bereits als Neugeborenes wegen ihrer Abstammung Hasskommentare erhielt. Am Beispiel seiner eigenen Tochter zeigt Said Rezek auf, dass rechtsradikale Kommentare nicht einmal Halt vor Kindern machen und so jede*n überall treffen können. Er legt rechtes Gedankengut da, wie es z.B. auch die AFD in ihrem politischen Programm vertritt, und verdeutlicht dies anschaulich anhand von politischen Reden und Taten rechter politischer Gruppierungen.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit rassistischem Hass im Netz und auf den Straßen. Said Rezek verwendet als Beispiele rassistisch motivierter Taten den Anschlag auf die Synagoge in Halle (2019) und die Shisha Bar in Hanau (2020). Er erklärt, dass sich Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl oft durch den Einfluss des Internets radikalisieren, da sie dort Bestätigung erhalten. Sie veröffentlichen Videos und Texte und bekommen dadurch Aufmerksamkeit, die ihnen in ihrem realen Leben fehlt. Meinungsfreiheit ist in Deutschland ein Grundrecht, aber solche Beiträge erfüllen nach Rezeks Analyse z.B. den Straftatbestand der Volksverhetzung.

Der Autor macht deutlich, dass vor allem Benachteiligte wie Geflüchtete von Hate Speech betroffen sind. Auch Politiker*innen, die sich für ausländische Mitbürger*innen oder Geflüchtete einsetzen, werden zu Opfern rechter Gewalt, bspw. indem sie Morddrohungen erhalten. Rezek macht deutlich, dass Hetze und Drohungen Menschen einschüchtern und zu weniger Solidarität mit Schwächeren führen können. Verschwörungstheorien, wie z.B. Erzählungen von einer Elite, die Macht über uns alle habe, stellen eine große Gefahr dar und führen zu weiterer Radikalisierung im Netz.

Im zweiten Kapitel geht es daher um „Zivilcourage gegen Rassismus“. Viele Blogger*innen veröffentlichen regelmäßig Beiträge im Netz, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen, um Leser*innen anzusprechen und einen Meinungsaustausch anzuregen. Dabei kann Hate Speech sowohl eine analoge als auch eine digitale Folge eines solchen Beitrags sein – mit großer Wirkung. Rezek warnt, dass all diejenigen, die Gegenrede leisten, sich bewusst sein müssten, dass durch Gegenrede immer wieder auch neue Kritik und neuer Hass entstehen kann.

Um dieses Szenario zu verbildlichen beschreibt der Autor den Fall des muslimischen Baby, dass an Neujahr 2018 in Wien geboren wurde und durch einen harmlosen Beitrag Hetze ausgesetzt war. Auf die Hetze folgte allerdings eine Solidaritätsaktion, um dem Hass entgegen zu wirken. Hier veranschaulicht Rezek, dass Empathie ein erfolgreiches Mittel der Gegenrede ist.

Said Rezek beschreibt ab dem dritten Kapitel den Weg von der Medienkonsumenten*in zur Blogger*in. Die folgenden Kapitel wollen Mut machen und eine Anleitung sein, selbst aktiv gegen Rassismus im Netz zu bloggen. Er macht deutlich: Man braucht ein Thema, das einen persönlich betrifft. Somit hat man ein Alleinerkennungsmerkmal und hebt sich von der der Blogs auch ab. Wichtig beim Schreiben sei, sich kurz und prägnant in einer einfachen Sprache auszudrücken. Wichtig sei es auch, die W-Fragen (Fast immer: Wer? Was? Wann? Wo? Machmal: Wie? Warum? Woher? Was folgt? Wie wichtig?) im Text zu beantworten, damit die Leser*in kein Vorwissen benötigt. Im Verlauf des Kapitels stellt der Autor dar, wie man sich nach Nachrichtenwerten richten kann, um ein geeignetes Thema zu finden. Wichtig ist es, die Kernaussage des Posts im ersten Satz zu erfassen und den richtigen Zeitpunkt der Veröffentlichung zu wählen, um dadurch möglichst viele User*innen zu erreichen.

Das vierte Kapitel behandelt spezielle Beitragsformen für die sozialen Netzwerke und gibt dem/der Leser*in verschiedene Übungen und Lösungsvorschlägen mit.

Im fünften Kapitel geht es dann schließlich noch um die Risiken des Bloggens. Rezek wirft die Frage auf, wie viel Privates ich von mir selbst im Netz preisgeben möchte. Dabei erscheint es ihm notwendig, sich mögliche Konsequenzen bewusst zu machen. Zum Beispiel sollte mit bedacht werden, dass Algorithmen nach unseren im Netz bereits bekannten Interessen selektieren. Diese einseitigen Informationen kann der/die Nutzer*in durch eine aktive Recherche unterbrechen. Durch die Preisgabe persönlicher Informationen wird das Risiko des Eindringens Fremder in das eigene Privatleben erhöht. Genauso kann Bloggen eine Chance oder eine Hürde für das persönliche oder das Arbeitsleben sein, wenn z.B. ein potentieller Arbeitgeber im Netz über die Autor*in recherchiert und sich anhand dieser Informationen eine Meinung bildet.

Unsere Meinung zum Buch:

Rezek verwendet im gesamten Buch viele Beispiele aus dem realen Leben, um seine Argumentation zu untermauern. Durch diese Vorgehensweise macht er sich nahbar und greifbar für die Leser*innen. Zusätzlich lässt er auch persönliche Einblicke in sein Leben zu, die ihn vertraut und offen zeigen. Der Autor nimmt die Leser*in also an die Hand und schafft so eine Vertrauensbasis.

Durch den Ratgeber werden keine Fragen offen gelassen, es werden oft Kapitel sogar mit direkten Fragestellungen eingeleitet, um mögliche Fragen gleich mit zu beantworten.

Durch spielerische Übungen weckt Said Rezek das Interesse der Lesers*in auf die folgenden Kapitel. Mit den dazugehörigen Lösungsvorschlägen bietet er eine tolle Möglichkeit an, verschiedenes auszuprobieren und sich von Übung zu Übung weiter zu entwickeln. Zusätzlich sind die Lösungsvorschläge von ihm persönlich verfasste Beiträge aus den sozialen Medien.

Er gibt auch Tipps aus eigener Erfahrungen für Blogger*innen, wie sie zum Beispiel im Umgang mit Hasskommentaren reagieren können. Der Autor macht auch seine Meinung über politische Themen deutlich, wie seine Haltung zur rechtsradikalen Partei AFD.

Said Rezek teilt sich der Leser*in als Mentor/Freund mit und führt so durch das Buch. Von der Einleitung durch alle Kapitel hindurch ist ein roter Faden zu erkennen, der der Leser*in zur Orientierung dient. Die Kapitel bauen klar aufeinander auf und stellen somit eine gute Anleitung dar, um erfolgreich zu bloggen.

Durch den großen Lerneffekt nicht nur über die Thematik, sondern auch das rechte Gedankengut in unserer Gesellschaft, und den Umgang mit sozialen Medien ist das Buch eine wertvolle Quelle für unsere heutige Gesellschaft. Unter anderem hilft es auch dabei, sich allgemein weiterzubilden und auf das Thema des „Bloggen gegen Rassismus“ aufmerksam zu machen.


Buchcover von Said Rezeks "Bloggen gegen Rassismus"Rezek, Said (2020): „Bloggen gegen Rassismus – Holen wir uns das Netz zurück“. Tredition Verlag, 203 Seiten; ISBN Nummer 978-3-7497-7846-1; 15€.