Democracy Chats

Fortbildung im November: Chat-Konflikte moderieren

Berufsbegleitende Fortbildung: „Hass im Netz stoppen - Konflikte im Chat moderieren“ Anmeldung bis 3.11.2023 Chatgruppen haben unser Leben erobert ...

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Berufsbegleitende Fortbildung:
„Hass im Netz stoppen - Konflikte im Chat moderieren“

Anmeldung bis 3.11.2023

Chatgruppen haben unser Leben erobert und bereichert. Von der Koordination der Vereinsfeier, über Verabredungen im Klassenchat bis hin zur politischen Selbstorganisation: Chatgruppen sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch viele sind auch genervt und beunruhigt. Verschwörungstheorien und Radikalisierung entwickeln in Chats eigene Dynamiken. Stress und Konflikte eskalieren. Menschen werden verletzt und ziehen sich aus Gruppen zurück. Gelingende Kommunikation scheint in Chatgruppen oftmals schwieriger als im persönlichen Miteinander.

Insbesondere Moderator*innen fühlen sich in Chatgruppen oft überfordert. Wie können sie in Konflikten eingreifen? Was brauchen sie, um nicht von Empörungsdynamiken überrannt zu werden? (Wie) können sie die Sicherheit für alle Beteiligten garantieren? Wie schaffen sie eine offene und gute Gesprächsatmosphäre, in der die Gruppenmitglieder auf einander achten und Hass keine Chance hat?

Im Rahmen des Innovationsfonds des Programms „Demokratie leben!“ des Bundesjugendministeriums kann LOVE-Storm erstmals eine berufsbegleitende Pilotfortbildung zur Trainer*in gegen Hass in Chats anbieten.

Eine Pilotfortbildung

Die Dynamik in Gruppenchats unterscheidet sich stark von der Realität in öffentlichen Sozialen Medien. Bewährte Konzepte der digitalen Zivilcourage funktionieren hier nicht oder anders. Moderierende in Klassen- oder Vereinschats sind in der Regel viel näher dran (oder in) der Gruppe als Social Media-Teams öffentlicher Kanäle. Sie brauchen andere Skills und Voraussetzungen, um Stress im Chat eindämmen zu können. Nicht zuletzt kennen und treffen sich viele Chatteilnehmer auch im analogen Leben. All das eröffnet Chancen, aber auch Risiken, die noch weitestgehend unerforscht sind.

Im Rahmen von Democracy Chats verstehen wir uns daher vor allem als Lernende. Wir verbinden den LOVE-Storm Ansatz der digitalen Zivilcourage, mit anderen Konzepten der Moderation von Social Media Kanälen, mit Erkenntnissen der Dynamik digitaler Gruppen, Forschungen zur digitalen Kommunikation und Diskriminierungssensibilität und schauen zugleich, welche Erfahrungen und „best practices“ (jugendliche) Moderierende von Chatgruppen gemacht haben.

Auch in der Pilotfortbildung werden wir gemeinsam testen „Was funktioniert“ und Methoden und Materialien gegen Stress im Chat weiter entwickeln. Am Ende steht nicht nur ein Zertifikat für die Teilnehmenden, sondern auch ein überarbeitetes Methodenset zur Stärkung von Moderierenden gegen Hass in Chats.

Für Lehrer*innen und andere Trainer*innen:

Die Fortbildung richtet sich einerseits an erfahrene Medienpädagog*innen, die ihre pädagogische Praxis einen Schritt voran bringen und das Phänomen Hass in Chatgruppen besser verstehen wollen. Wir erwarten Neugier, aber auch ein Mindestmaß an pädagogischer Vorbildung und Praxis, sei es als Lehrer*in, Schulpädagog*in, an Hochschulen oder in der Erwachsenenbildung. Studierende sind willkommen, wenn sie entsprechende Praxis oder Fortbildungen vorweisen können.
Eine Kenntnis des LOVE-Storm-Trainingsraumes ist nicht notwendig.

Für Social Media Profis:

Die Fortbildung richtet sich andererseits an Community-Manager*innen und andere Praktiker*innen der Social Media Moderation, die ihre Probleme mit Verschwörungserzählungen und eskalierenden Konflikten besser in den Griff kriegen und ihre digitalen Räume dauerhaft frei von Hass halten wollen.

 

Das Team

Foto: Anja Corinne Baukloh

Anja Corinne Baukloh koordiniert seit März 2023 das Projekt Democracy Chats. Anja Corinne ist ausgebildete Mediatorin und Trainerin für gewaltfreie Kommunikation und Konfliktbearbeitung. Sie hat langjährige Erfahrung in der Begleitung von Veränderungsprozessen in Organisationen, partizipativen Methoden der Planung und Entscheidungsfindung und des Community Empowerments.

 

Bild von Cora Bieß

Cora Bieß ist Referentin im Projekt „Friedensarbeit verändern: rassismus- und machtkritisches Denken und Handeln in der Zivilen Konfliktbearbeitung” bei der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung. Zudem arbeitet sie als Redakteurin für das Kinderportal Frieden-Fragen.de und ist seit 2019 bei Berghof Foundation tätig.  Sie promoviert am Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt über Konfliktsensibilität und Zivilcourage in der Onlinekommunikation. Von 2020-2023 war Cora wissenschaftliche Mitarbeiterin am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) und forschte dort zu Sicherheitsgefährdungen in der digitalen Welt, Deepfakes und Kinderrechte in der Onlinekommunikation.

Fotovon Björn Kunter

Björn Kunter engagiert sich seit den neunziger Jahren als Trainer für Zivilcourage und gewaltfreie Bewegungen weltweit. Unter anderem entwickelte er das Konzept der “Aktiv gegen Rechts”-Großtrainings und förderte als Geschäftsführer des Bund für Soziale Verteidigung (2005-2013) die Verbreitung des No Blame Approach gegen Mobbing. 2017 gründete der Diplompädagoge LOVE-Storm – Gemeinsam gegen Hass im Netz. 

Arbeitsweise

Methodisch arbeiten wir sowohl mit theoretischen Inputs, Übungen, sowie online und offline-Rollenspielen. Wir laden sowohl zur Selbstreflexion als auch zur gegenseitige Beratung in Kleingruppen ein. Dazu setzen wir an Situationen und Erfahrungen aus dem Alltag der Teilnehmenden an und stellen Fälle aus der eigenen Praxis vor. Erfahrene Referent*innen ergänzen bei Spezialfragen das Seminarteam und ermöglichen so eine intensive Weiterbildung.

1. Präsenzmodul   –  26.-30.11.2023
Grundlagen und Praxis der Chatkommunikation
  1. Kennenlernen und individuelle Zielfindung
  2. Digitale Verletzungen und Chats als (un)sichere Räume
  3. Grundlagen der Konfliktkommunikation
  4. Besonderheiten von Chatkultur und virtueller Kommunikation
  5. Chatgruppen als dynamische Systeme
  6. Den Trollen den Raum nehmen – Ansätze der digitale Zivilcourage (LOVE-Storm) und empowernde Moderation (Ziegele/Heimbach)
  7. erster Einstieg in Moderationsstile und -skills
  8. Methodenwerkstatt und Absprachen zur Praxisaufgabe
Praxisaufgabe  –  Dezember 2023 – Februar 2024
  1. Praktische Umsetzung der gelernten Inhalte und Kompetenzvertiefung im Rahmen der pädagogischen Arbeit oder eigenen Chatgruppen
  2. kollegiale Reflexionsgruppen (online)
Online-Module (je 3 Stunden)
  1. Ich kenn dich doch – Gruppendynamiken in digitalen und hybriden Räumen
  2. Sexualisierte Gewalt in Online Chats
  3. Die Community vorbereiten – Netiquetten, Unterstützer*innen, Notfallpläne und Community-Trainings
2. Präsenzmodul  –  März/April 2024 (4 Tage)
Moderation, Strukturen & Materialien für sichere und offene Chatgruppen
  1. Ich als Moderator*in und mein Umfeld – Grundlagen für gelingende Moderation
  2. Was ich nicht sehen kann – Diskriminierungssensibilität im Chat und Training
    Intersektionalität; Rassismus und Diskriminierung in der Onlinekommunikation
  3. Wer mitmachen soll, muss sich sicher fühlen – Safer Spaces und Awareness in Communities  und Trainingsräumen.
  4. Auswertung der Praxisaufgaben – kollegiales Feedback und Beratung
  5. Was fehlt!   – Methodenwerkstatt zur Entwicklung und Verbesserung neuer Bildungsmaterialien und Methoden
  6. Vernetzung und Absprachen zur möglichen Weiterarbeit mit LOVE-Storm

Organisatorischer Rahmen

Die Fortbildung umfasst 9 Tage in zwei Präsenzmodulen und 3 Online-Trainings: Vor dem letzte Modul erfolgt eine Praxisphase, in der die Teilnehmenden das erworbene Wissen in einem selbst organisiertem Rahmen anwenden und reflektieren.

1. Modul: 26.11. – 30.11. 2023, Tagungshaus KURVE Wustrow
Praxisphase und Online Module Dezember 2023 – Februar 2024
2. Modul: März/April 2024
Die noch nicht feststehenden Termine werden online unter den Angemeldeten abgefragt und zum 6.11. festgelegt.

Teilnahmegebühren:

Aufgrund der Förderung durch das Programm “Demokratie leben!” des Bundesjugendministeriums können wir die Pilotfortbildung zu sehr günstigen Bedingungen anbieten. Die Gebühren (inklusive Unterkunft und Verpflegung) betragen:

  • 695 Euro für Organisationen & Teilnehmende mit einem Nettoeinkommen über 2000 Euro/Monat.
  • 620 Euro für berufstätige Teilnehmende unter 2000 Euro Nettoeinkommen.
  • 420 Euro für Studierende und Arbeitslose.

Eine erste Rate von 50% ist nach Erhalt der Teilnahmebestätigung zu zahlen, die zweite im Januar 2024.

Leistungen:

In der Teilnahmegebühr sind enthalten:

  • Training (68 Unterrichtsstunden) durch ein dreiköpfiges Team, unter Hinzuziehung weiterer Expert*innen
  • Individuelle Beratung (2 Stunden) und selbstorganisierte kollegiale Beratung
  • Trainingsmaterialien,
  • Unterkunft im Doppelzimmer
  • Vollverpflegung & Seminargetränke.

Die Kosten der Anreise müssen selbst getragen werden. Wir helfen gerne bei der Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten.

Jetzt Anmelden:

Aufgrund der hohen Förderung der Pilotfortbildung sind wir verpflichtet, eine Auswahl der Teilnehmenden vorzunehmen. Bitte schicken Sie uns daher ein (sehr) kurzes Motivationsschreiben (10-20 Zeilen), warum sie an der Fortbildung interessiert sind und in welchem Rahmen sie die gewonnenen Fähigkeiten anwenden wollen.

Die berufliche Fortbildung “Hass im Netz stoppen – Konflikte in Chats moderieren” ist Teil des Projekts Democracy Chats.

Gefördert vom: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesförderprogramms "Demokratie leben!"