Definition

Digitale Zivilcourage gegen Hass im Netz

Digitale Zivilcourage - Der LOVE-Storm Ansatz Digitale Zivilcourage stellt den Schutz der Angegriffenen an die erste Stelle. Bei LOVE-Storm verfolgt j ...

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Digitale Zivilcourage -
Der LOVE-Storm Ansatz

Digitale Zivilcourage stellt den Schutz der Angegriffenen an die erste Stelle. Bei LOVE-Storm verfolgt jedes Eingreifen gegen Hass im Netz daher drei Ziele:

  1.  Angegriffene stärken.
  2. Zuschauende gegen den Hass mobilisieren
  3. Angreifenden Grenzen setzen

Digitale Zivilcourage ist also ein Schutzkonzept. Ihr Ziel ist es dass die Gewalt und Angriffe aufhören und die Angegriffenen sich wieder ungestört beteiligen können.

Die 3 Ziele der Zivilcourage
So stoppen wir den Hass im Netz: Angegriffene stärken - Zuschauende mobilisieren - Angreifenden Grenzen setzen

Was digitale Zivilcourage nicht ist:

Zivilcourage ist keine Gegenrede (Counterspeech).

Es geht nicht vorrangig um den Austausch von Argumenten und auch nicht darum „schreiende Angreifende selber niederzuschreien“ oder eine Debatte zu gewinnen. Tatsächlich sind die meisten sozialen Medien nicht für echte oder tiefergehende Debatten gemacht. Der Fokus auf das Gegenüber hat mehrere schwerwiegende Nachteile:

  • In gefühlt 80% aller Online-Debatten, behalten die Kontrahent*innen ihre vorherige Meinung unverändert bei. In weiteren 18% sind die Meinungen nach dem Austausch sogar noch gefestigter und die Standpunkte zusätzlich verhärtet. Nur in einer minimalen Anzahl von Debatten kommt es zu einem echten Nachdenken über die Argumente der Gegenseite.
  • Durch den Fokus auf die Kontrahent*innen wird den Angreifenden mehr Raum und Aufmerksamkeit gegeben, also genau das was die Trolle sich wünschen. Ihr Verhalten wird also belohnt und die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Angriffe erhöht. Während auf der anderen Seite die eigentlichen Themen und die leiseren Stimmen (noch weiter) in den Hintergrund gedrängt werden.
  • Gegenrede kann Diskriminierung noch verstärken. Etwa wenn auf einen rassistischen Angriff, Eingreifende und Angreifer*innen um einen Kompromiss ringen, „was man (nicht) sagen darf“, und so Betroffenen vorschreiben, was sie akzeptieren sollten. (siehe Splaining – Glossar Link)
  • Gegenrede braucht Stärke. Menschen die nicht so gut argumentieren können oder sich aus anderen Gründen zu schwach fühlen, um in einer Online-Auseinandersetzung zu bestehen, werden daher eher keine Gegenrede leisten.
Digitale Zivilcourage ist keine Konfliktlösung

Zivilcourage muss nur die Gewalt stoppen. Danach kann mensch tiefergehende Dialoge oder gar die Klärung und Lösung der zugrundeliegenden Konflikte versuchen, muss es aber nicht. Das hat mehrere Vorteile:

  • Zivilcourage ist unaufwendig. Wer auf Gewalt stößt hatte in der Regel was anderes vor und eigentlich gar keine Zeit sich zu kümmern. Für ein schnelles „Nein, das sehe ich anders“, das „liken angegriffener Beiträge“, die Meldung von Hasskommentaren oder eine virtuelle Umarmung für Angegriffene reicht die Zeit eher als für eine längere Debatte – und macht doch einen Unterschied.
  • Zivilcourage braucht kein Gegenüber. Angegriffene zu schützen funktioniert auch dann, wenn der Angreifende eigentlich ein bot ist, oder aus anderen Gründen kein Interesse am Dialog hat.
  • Zivilcourage ermöglicht Vertrauen funktioniert aber auch ohne. Für erfolgreiche Dialoge und Konfliktbearbeitung braucht es ein Mindestmaß an Vertrauen zwischen den Konfliktparteien damit diese sich auf das Wagnis einlassen können. Zivilcourage ist dagegen ein parteiisches Schutzkonzept. Sie stellt sich auf die Seite der Angegriffenen um die Angriffe zu stoppen, ohne aber selber anzugreifen und so eine Gewaltspirale in Gang zu setzen.