Interview vor der Sommerpause


LOVE-Storm steht vor einer kleinen Sommerpause. Vorab möchten wir ein paar Infos zu neuen Angeboten und Formaten, Linktipps und persönliche Einblicke mitteilen.

Dazu hat Yvo ein Interview mit der Trainingskoordinatorin Lena Cornelius geführt.

Yvo: “So, das ist das Interview vor der Sommerpause mit der Lena Cornelius, der LOVE-Storm Trainingskoordinatorin. Willkommen im Studio (lacht) hier im PostLab. Also Sommerpause, LOVE-Storm macht eine Sommerpause. Von wann bis wann?”
Lena: “Wir gehen in die Sommerpause, vom 30. Juli bis 16. August. Wir werden also insgesamt zweieinhalb Wochen in der Pause sein.”
Yvo: “Okay, das bedeutet, dass in den zweieinhalb Wochen der Laden komplett dicht ist. Es finden keine Aktionen statt, keine Gegenredeaktionen. Das Netz wird den Hasser*innen überlassen. Wie verstehe ich das?”
Lena: “Nein, natürlich nicht. Das heißt nur, dass wir als Büro-Mitarbeiter*innen in den Urlaub gehen. Aber unsere mittlerweile über 800 trainierten LOVE-Stormer*innen sind natürlich weiterhin im Einsatz und werden aktive Gegenrede leisten. Und wenn jemand akute Anfragen hat oder Trainings machen will, kann er/sie sich auch gerne an unseren Kollegen Martin wenden. Er übernimmt die Betreuung von Anfragen in der Urlaubszeit. Erreichbar ist Martin via mail unter Martin.Kuehnemund@love-storm.de
Was es in diesen zweieinhalb Wochen allerdings nicht geben wird, sind Aktionstage die von uns koordiniert werden, und es wird auch keine offenen Online-Trainings geben.”
Yvo: “Stichwort Online-Training. Das ist ja eins der LOVE-Storm Bildungsformate – das Online-Training gegen Hass im Netz. Also ein Gegenrede-Training. Was für Bildungsformate gibt es eigentlich noch bei LOVE-Storm?”
Lena: “Wir haben sowohl online als auch Präsenz Veranstaltung. Thematisch liegt dabei auf jeden Fall immer der Fokus auf Zivilcourage im Netz. Allerdings haben wir mittlerweile ein relativ großes Spektrum an verschiedenen Schwerpunkten.”
Yvo: “Erzähl mir mehr davon.”
Lena: “Zum Beispiel haben wir in letzter Zeit viel gemacht zu anti-asiatischem Rassismus, gerade auch im Zusammenhang mit Corona. Außerdem werden wir jetzt nach der Sommerpause noch mal mit ganz neuen Formaten kommen sowohl online wie in Präsenzveranstaltungen Hier geht es z.B. um digitale Konflikte in Jugendgruppen oder auch an Schulen. Hier sind die Zielgruppe vor allem Pädagog*innen oder Lehrer*innen, die zum Beispiel in den Klassen oder ein Jugendzentrum verstärkt dem Phänomen des Cybermobbings begegnen und die einfach genau da Beratungsbedarf haben, sich fragen, was sie dagegen tun können.
Ganz neu im Programm ist auch eine Fortbildung zum Thema Social Media beziehungsweise Community Management. Das richtet sich an NGOs aber auch an andere Vereine, Unternehmen, die sich fragen, wie sie als Community Manager*innen dem Hass im Netz auf ihren Seiten begegnen können. Als drittes neues Angebot werden wir uns noch stärker dem Fokus Rassismus / rassistischer Hetze im Netz widmen und werden, unter anderem, auch Formate entwickeln, die ausschließlich an von Rassismus betroffene Menschen gerichtet sind. Das heißt, in diesem Bereich entwickeln wir uns auch weiter.”
Yvo: “Und ab wann können die Nutzer*innen mit den neuen Formaten rechnen?”
Lena: “Die bieten wir dann ab August tatsächlich an.. Also, ich bin ab dem 17. August wieder da, um zu den Themen zu beraten und Termine zu finden, individualisierte Angebote zu erstellen. Dann werden wir voraussichtlich ab Ende August mit der Durchführung starten.”
Yvo: “Eine Rückfrage habe ich noch zu den aktuellen Formaten. Was kann ich heute buchen oder erfragen?”
Lena: “Du kannst verschiedene Themenschwerpunkte bei uns buchen: das ist zum einen Hassrede mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, spezifisch anti-asiatischer Rassismus, aber auch Formate und Veranstaltungen zu sexistischer Hetze. Für reine Frauengruppen, aber auch für gemischte Gruppen, je nach Kontext.Dann bieten wir Formate zu Fake-News zu Verschwörungen und Verschwörungserzählungen an.”
Yvo: “Gibt es Formate, für Pädagoginnen und Pädagogen oder Sozialarbeiter*innen? Leute, die mit anderen Menschen arbeiten und deswegen mit der Thematik konfrontiert werden?”
Lena: “Ja, auch die haben wir, und zwar im Rahmen unserer Multiplikator*innenausbildung. Das ist ein ganz tolles Angebot. Da haben, zum Beispiel Leute die mit Kindern und Jugendlichen aber auch in der Erwachsenenbildung arbeiten, die Möglichkeit, sich zu LOVE-Storm-Multiplikator*innen ausbilden zu lassen. Das heißt im Anschluss an so eine Ausbildung, können die Teilnehmer*innen unser Online-Tool, unser Rollenspiel, in den eigenen Gruppen und Kontexten nutzen. Bis Ende des Jahres noch unbegrenzt und umsonst.”
Yvo: “Spannend! Wo, wie, was..?”
Lena: “Der nächste Termin wird am 26.8. sein. Der Termin findet Online statt, und Interessierte können sich auf der Seite von Fairaend, unserer Partnerorganisation, anmelden.
Yvo: “Ok, cool, und die Präsenz Veranstaltungen, die du vorhin angesprochen hast. Die sind sozusagen wie das Seminar nur in live, 3D, Farbe und zum Anfassen? Oder andere Veranstaltungen / Veranstaltungsformate? Wie muss ich mir das vorstellen?”
Lena: “Die Veranstaltung haben im Prinzip die gleichen Themen, aber wir arbeiten da natürlich mit anderen Methoden und Möglichkeiten da wir dort auch flexibler arbeiten können. Wir haben eine Trainerin, die auch Theaterpädagogin ist. Und die wird jetzt einen Workshop machen zu Gegenrede in Bezug auf anti-asiatischen Rassismus und wird das theaterpädagogisch begleiten.”
Yvo: “Gibt es Partner*innen, Organisationen, mit denen LOVE-Storm kooperiert? Ich sage jetzt mal für eine Rechtsberatung zu der Thematik Cybermobbing.”
Lena: “Da gibt es verschiedene z.B. themenbezogene Kooperationen. Beispielsweise aktuell mit Korientation bezüglich Corona-Rassismus. Die Rechtsberatung die Du ansprichst wäre zum Beispiel Law4School, wo sich betroffene Schüler*innen oder Eltern, wenn sie rechtliche Beratung oder juristische Workshops zu Cybermobbing haben wollen.
Außerdem empfehlen wir immer auch andere Anbieter wie hassmelden.de zum Beispiel, die eine strafrechtliche Verfolgung von Hass-Vorfällen im Netz anstreben und hateaid.org die Betroffene unterstützen oder #ichbinhier die auch mit einem ähnlichen Konzept wie wir arbeiten.”
Yvo: “Auch in der Sommerpause ist keiner allein.
Wer in der Sommerpause Zeit findet unter einem Baum zu liegen und was zu lesen.. ob Du da vielleicht eine Buchempfehlung hast?”
Lena:” Ich lese gerade “Hasskrieger” von Karolin Schwarz. Das finde ich super spannend, auch weil es aufzeigt, wie früh rechte Strukturen eigentlich digitale Kommunikationsformen, also das Internet, genutzt haben. Da wurden schon ganz früh Strategien für eine digitale Raumnahme entwickelt. Die Gefahr, die davon ausgeht wurde lange unterschätzt. Fake Facts von Katharina Nocun und Pia Lamberty fange ich auch gerad an zu lesen. Ich habe auch gesehen, dass Diskursiv nach „Sag was“ ein Buch rausgebracht hat. „Sprich es an“ möchte ich, obwohl ungelesen, trotzdem an dieser Stelle erwähnen und empfehlen.”
Yvo: “Danke für das echt nette Interview.”
Lena: “So gern :)”

Yvo: “Einen Zusatz von Björn möchte ich hier noch einpflegen: Das Spendenaufkommen ist bisher bei ca. 5000 Euro, Wahnsinn, aber es fehlen für das laufende Jahr noch ungefähr 15, im Idealfall 20000 Euro an Spenden um die Angebote weiterhin kostenlos oder so günstig zu halten. Spenden können anderen Menschen, unabhängig vom finanziellen Hintergrund, dadurch die Möglichkeit geben, sich weiterzubilden.
Voll das gute und unterstützenswerte Konzept. Jetzt mitmachen auf love-storm.de/spenden