Was bedeutet eigentlich … ? Das Glossar zu Diskriminierungsformen und weiteren relevanten Begriffen

Erklärung von Begriffen die häufig bei “Hass im Netz” vorkommen

 

Hier geht es zu den Begriffen mit den Anfangsbuchstaben:

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Was bedeutet eigentlich Sexting, Flaming, Hatespeech oder Body Shaming ?

In diesem Glossar haben wir Wissen und Erkenntnisse zusammengetragen, so dass Du dich gut infomieren kannst. Das Netz bedient unglaublich viele Formen des Hasses, der Diskriminierung, der Herabwürdigung und alle tragen ihre eigene Bezeichnung. Dazu gibt es Techniken und Technologie zu beachten, bestimmte Chatarten und vieles mehr. Viele der Worte sind “Anglizismen” (im deutschen verwendete englische Vokabeln) oder sind uns als Begriffe nicht geläufig bzw. erklären sich nicht von selbst.

Hier findest Du also die am meisten verwendeten Begrifflichkeiten kurz erklärt. So kannst Du auch unsere eigenen Texte besser verstehen.

Wenn Du dennoch Fragen oder Anregungen hast, Wörter, Begriffe oder Diskriminierungsformen vermisst beziehungsweise mit unseren Definitionen nicht konform gehst, freuen wir uns auf Deine Kontaktaufnahme.


A – C

A

Ableism – Ableism (auch Behindertenfeindlichkeit) ist der Ausdruck für die Diskriminierung von Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen. Die Aussagen sprechen oft den Menschen die Beteiligung oder das Recht zur Beteiligung ab, da sie “ja nicht in der Lage seien”.

“Ableism” kommt auch dort zum Einsatz, wo die Schranken so gesetzt werden, dass nur diejenigen, die als “normal” gelten, Zutritt/Zugriff erhalten (bspw. eine nicht barrierearme Homepage aufzubauen, die sich mit Rechten von behinderten Menschen auseinandersetzt…)


Adultismus – Adultismus beschreibt eine abwertende Haltung gegenüber Erwachsenen Menschen. Es wird von meist Jugendlichen verwendet, um Erwachsene wegen ihres Alters herabzuwürdigen, auszugrenzen, zu benachteiligen oder (bösartig) zu missachten. Adultismus ist eine Form des Ageism.

Agism gegen Kinder


Ageism – Die Altersfeindlichkeit oder auch Altersdiskriminierung beschreibt die Ausgrenzung und Herabwürdigung von Menschen eines gewissen Alters. Bei Ageism findet aufgrund des Alters, eine jahrgangsbezogene oder generationsbezogene soziale und/oder auch ökonomische Benachteiligung von Gruppen oder einzelnen Personen statt. Altersdiskriminierung kann sich gegen jegliches Alter richten.


Antisemitismus – Antisemitismus beschreibt die Feindseligkeit oder auch Hass gegenüber Israelis bzw. der jüdischen Religionsgemeinschaft. Antisemitismus kann sich in Form von Schändung von jüdischen Gedenkstätten und Friedhöfen ausdrücken, der Leugnung oder Relativierung des Holocausts, Angriffe gegen Synagogen, oder Beleidigung und körperliche Gewalt gegenüber Jüd*innen. Auch bestimmte pauschalisierende Kritiken der Politik Israels haben antisemitische Züge.


B

Behindertenfeindlichkeit – s. Ableism


Body Shaming – Diskriminierung wegen des Körpers. Beim Body Shaming werden Betroffene wegen ihres Körpers gedemütigt, sei es der Vorwurf dieser sei zu dick, zu dünn, zu groß oder zu klein. Das Besondere ist, dass beim Body Shaming keine direkten Angriffe erfolgen müssen, sondern sich Betroffene bedingt durch Umwelteinflüsse für ihren Körper schämen, wenn er nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht. Durch Medien, Werbung und Unternehmen haben sich kaum erreichbare gesellschaftliche Schönheits- und Körperbilder herausgebildet welche Body Shaming verursachen können.


Bullying – Im Englischen verwendeter Begriff für Mobbing.


Bots – Bots sind automatisierte Computerprogramme mit verschiedensten Funkionen. Social Bots können agieren wie Menschen und manipulativ in das Geschehen der sozialen Medien eingreifen, indem sie massenhaft Kommentare schreiben. Sie sind als Bots nicht oder nicht immer klar zu identifizieren.


C

Cybermobbing – Cybermobbing ist Mobbing im Internet. Wie beim Mobbing oder auch Bullying werden die Betroffenen (seltener die betroffenen Gruppen) wiederholt und auf Dauer gestellt direkten seelischen Schikanen, Herabwürdigungen, Demütigungen usw. ausgesetzt. Ziel ist das persönliche “Brechen” der betroffenen Personen. Dadurch grenzt es sich von Hassrede ab, die seltener den direkten psychischen Zusammenbruch der betroffenen Personen anstrebt. Auch Cybermobbing kann durchaus politisch motiviert sein, ist als Strategie aber “psychologische Erniedrigung” und nicht “politische Bloßstellung”. Die Angreifer*innen des Cybermobbing verstecken sich oft in der Anonymität des Internets und nutzen geschlossene Chat- oder Messenger-Gruppen für ihre Angriffe. Dies macht eine strafrechtliche Verfolgung häufig schwieriger, aber nicht unmöglich. Gegenmaßnahmen sind z.B. Zivilcourage und Empowerment 


Cyberstalking – Im Internet ausgeführtes Stalking (dt. Nachstellen). Die Betroffenen werden von den “Stalker*innen” verfolgt (ständige Recherche, Ansprache, Profilbesuche, usw.) und wiederholt belästigt, gedemütigt, beschimpft (siehe Cybermobbing). Dies geschieht sowohl durch E-Mails, aber auch durch die Chatprogramme der sozialen Netzwerke. Durch die sich wiederholenden Taten wird ein dauerndes Unsicherheitsgefühl bei den Betroffenen erzeugt.


D – F

D

Denigration – Denigration (dt. Herabwürdigung) Es werden Gerüchte bewusst im Netz verbreitet um eine Herabwürdigung gewisser Personen herbeizuführen. Der Wahrheitsgehalt ist bei Denigration unwichtig, geht es doch vor allem darum den oder die Betroffene*n möglichst verletzend einer großer Gruppe vorzuführen. Denigration ist eine Form des Cybermobbings.


digitale Gewalt – Der Ausschluss oder die seelische Verletzung von Menschen durch rassistische, sexistische, klassistische, homo- oder transphobe und/oder sonstige menschenverachtende Hassrede zeichnet digitale Gewalt aus.


Dissen – Dissen kommt aus dem jugendlichen Sprachgebrauch. Es leitet sich ab vom englischen „disrespect“ was mit respektlosem Behandeln, schlechtmachen oder auch schmähen gemeint ist.


E

Empowerment – Empowerment fördert die Entwicklung der Autonomie und Selbstbestimmung von durch z.B. Cybermobbing geschwächte Menschen oder Gruppen. Durch verschiedene Strategien werden bei den Betroffenen Selbstwertgefühl und Eigenständigkeit, welche durch herabwürdigunge Handlungen zerstört wurde, gestärkt.


Ethnophaulismus – Ein Ethnophaulismus ist eine Abwertung gegenüber einer ethnischen Gruppe und wird oft im Zusammenhang mit hatespeech verwendet.


Exclusion – Exclusion bedeutet Ausgrenzung von Menschen in z.B. online geführten Debatten. Hier werden von den Tätern explizite Personen, Gruppen (politischer, religiöser oder ethnischer Art) ausgegrenzt.


F

Fake News – Fake News sind nachrichtenähnliche Falschmeldungen die in manipulativer Absicht verbreitet werden. Gerade im Internet werden Fake News in sozialen Netzwerken, teilweise automatisiert über so genannte Bots gestreut, verbreiten sich rasend schnell und hinterlassen auch nach Widerlegung eine Wirkung, denn eine Widerlegung erreicht oft viel weniger Menschen als die ursprünglich vermeintliche Skandal-Nachricht.


Flaming – Ein „Flame“ ist der Begriff für eine ruppige und beleidigende Ausdrucksweise. Flaming kommt im Netz (Internet) in Mails, Foren und Chats zum Einsatz und wird bei kürzeren, heftigen Auseinandersetzungen als „flame-war“ bezeichnet.


G bis I

G

Gendering – Gendering steht für den Gebrauch geschlechterbewusster Sprachformen. Beim Gendering wird der Sprachgebrauch so modifiziert, dass eine Gleichstellung der Geschlechter gewährleistet ist.


H

Harassment – Harassment (engl. für “belästigen”) wird verwendet für das wiederholte Beleidigen oder Belästigen von einem Menschen oder einer Gruppe in sozialen Netzwerken.


Hass im Netz – Der Ausdruck „Hass im Netz“ ist ein Übergriff für alle verschiedenen Phänomene von Angriffen und Herabwürdigungen im Internet, zum Beispiel cybermobbing, hatespeech, denigration und viele mehr. Der Begriff „Hass im Netz“ weist auf einen verrohenden, herabwürdigenden und verachtenden Austausch in sozialen Netzwerken oder anderen Austauschmöglichkeiten im Internet hin.


Hatespeech /Hassrede – Hatespeech (dt. Hassrede) meint eine im Internet verwendete Form von hetzendem Sprachgebrauch gegenüber bestimmten Gruppen, vorzugsweise Minderheiten. Hassrede ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Sie verbreitet und fördert Macht- und Diskrimminierungsverhältnisse welche gesellschaftlich tief verankert sind. Durch Anstiftung zu mehr Hass und Gewalt wird der öffentliche Frieden gestört, denn gerade in digitaler Form wird Gewalt noch schneller ausgelebt und verbreitet. Siehe dazu auch digitale Gewalt.


Homophobie – Abneigung und Feindseligkeit gegenüber Schwulen und Lesben. Die Abwertung von homosexuellen Menschen hängt damit zusammen, das in der Gesellschaft heterosexuelle Beziehungen vorwiegend als Norm gelten.


I

Impersonation – Bei der Impersonation, einer Form des Cybemobbings, geben sich die Täter als die Person aus, welche Opfer ihrer Taten werden sollen. Es werden falsche Nachrichten verbreitet welche dann dem Opfer zugeschrieben werden.


Islamfeindlichkeit – Bezeichnet die Abwertung und Ausgrenzung von Muslimen (und Menschen, die für Muslime gehahlten werden), ihrer Kultur und ihrer öffentlich-politischen sowie religiösen Aktivitäten. Die Feindlichkeit gründet sich auf bestimmten Zuschreibungen gegenüber “dem Islam” als rückschrittlich, antidemokratisch, gewalttätig usw. Zweitrangig ist dabei, ob es sich bei den Betroffenen tatsächlich um praktizierende Muslime handelt oder nicht.


 

J – L

J

Judenhass – s. Antisemitismus


KObdachloser als soziales Klassenbeispiel

Klassismus – Diskriminierung aufgrund eines niedrigen sozialen Status. Betroffene werden herabgewürdigt, lächerlich gemacht und entwertet, weil sie einer gesellschaftlichen Klasse angehören die über wenig Einkommen und Einflussmöglichkeiten verfügt.


L

Lookism – Lookism bezieht sich auf die Bewertung und Abwertung von Menschen aufgrund ihres Aussehens. Die Grundlage dafür ist, dass wir in einer Gesellschaft leben in der dem körperlichen Erscheinungsbild ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt wird. Im Falle von Lookism werden Betroffene wegen ihre Kleidung, Körpergröße oder z.B. Frisur als Mensch abgewertet.


M – O

M

Mobbing – Mobbing ist ein aus dem Englischen stammender Begriff. Er beschreibt das wiederholende Schikanieren, Verletzen und Quälen im vorwiegend seelischen Bereich. Mobbing gilt offiziell als Folter.


N


O

Outing – Outing beschreibt die Veröffentlichung diskreter und persönlicher Informationen. Beim Cybermobbing wird Outing verwendet um Opfer bloßzustellen. Dies hat meist eine extrem erniedrigende Wirkung auf den oder die Betroffene*n.


P – R

P


Q

Queer – Mit dem Wort Queer wird eine geschlechtliche Identität beschrieben, die von den  gesellschaftlich dominierenden geschlechtlichen Identitäten “Mann” und “Frau” abweicht.


R

Rassismus – Rassismus teilt Menschen willkürlich durch Äusserlichkeiten, kulturelle und geografische Herkunft in “Rassen” auf und stellt diese in hierarchicher Weise auf. So werden einige “Rassen” als leistungsstärker oder gesünder beschrieben und dadurch in ihrer Wertgkeit anderen gegenüber hervorgehoben. Dies führt je nach Ausprägung zu Unterdrückung, Ausbeutung, Diskriminierung und Gewalt.


S – U

SAutofahrerin Opfer von Sexismus

Sexismus – Benachteiligung, Diskriminierung oder Vorurteile von Menschen eines bestimmten Geschlechts. Frauen werden häufiger Opfer von Sexismus, aber auch Männer leiden unter geschlechterspezifischen Vorurteilen.


Sexting – Beim Sexting werden intime Inhalte (Bilder, Videos) verbreitet um den oder die Betroffenen zu mobben. Es geht dabei um die öffentliche Zurschaustellung der Opfer um Schmach zu maximieren.


Shitstorm – Als Shitstorm wird eine Kritikwelle in den sozialen Medien bezeichnet. Eine lauffeuerartige Ausbreitung von starker Kritik, bis hin zu Schmähungen, kennzeichnen den Shitstorm. Häufig werden Administratoren mit einer solchen Flut von negativen Kommentaren konfrontiert, dass aufklärende Antworten sogar untergehen. So kommt es, dass eine Falschformulierung oder fehlinterpretierte Aussage einen Shitstorm auslöst, der einer Gruppe oder Einzelpersonen erheblichen und nachhaltigen Schaden in der öffentlichen Wahrnehmung zur Folge hat.


T

Trans*Diskriminierung – Kurz: Diskriminierung Transsexueller Menschen.


Transphobie – Die Transphobie bezeichnet die Ablehnung und Hass auf Transsexuelle/Transgender, Transidente und Transgender. Transphobie hängt damit zusammen, das in der Gesellschaft die klare geschlechtliche Zuteilung entweder als “Mann” oder als “Frau” als Norm vorhanden ist. Menschen, die nicht in diese Norm passen, werden tendenziell abgewertet und ausgegrenzt.


U

V – Z

V


W

Whataboutism – Ist ein rethorisches Mittel bei dem nicht auf das Argument des Gegenüber eingegangen, sondern eine Gegenanschuldigung in den Raum gestellt wird. So werden Argumente nicht entkräftigt, der Fokus verschiebt sich aber.


X

Xenophobie – Fremdenfeindlichkeit. Mit Aggressivitität begegnende Angst vor Menschen anderer Ethnien, Kulturkreisen, Regionen und Religionen.


Y


Z

Zivilcourage – Bezeichnung einer Form der alltäglichen Konfliktbearbeitung.
Zivilcourage zeigt jemensch, wenn er/sie sich in einen Konflikt einbringt, ohne dies als Auftrag zu haben – zivil eben!
Zivilcourage funktioniert so: Eingreifende Personen agieren auf drei Ebenen.
1) Der Schutz der Angegriffenen und 2) die Mobilisierung von Zuschauenden sind primär wichtig, um dann 3) (gewaltfreien) Einsatz gegen die Angreifenden zu leisten (durch Einmischen, paradoxe Interventionen, unterstützende Ansprache der Betroffenen, o.ä.). Zivilcourage setzt auf die Aktion von vielen Eingreifenden und Zuschauenden gemeinsam.
So sind die Eingreifenden kollektiv vor Selbstüberschätzung und -überforderung geschützt.

Zivilcourage kann überall geübt werden: bei tätlichen Angriffen auf der Strasse, bei Beleidigungen im Klassenzimmer, bei Hassrede im Netz.



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