Umgang mit Stress und Selbstschutz bei Hass im Netz

2.1 Ingroup/Outgroup Effekt und Othering

Beim Umgang mit Online-Hass ist es hilfreich, sich mit den Motiven der Täter*innen auseinanderzusetzen. Denn sobald Kommentare und Rückmeldungen unangemessen oder gar beleidigend werden, haben sie nichts mehr mit der kritisierten Person oder ihrer Leistung zu tun. Vielmehr unterliegen die Täter*innen verschiedenen psychologischen Wahrnehmungsverzerrungen (Bias).

Eine häufige Verzerrung, die bei Hassbotschaften im Netz eine Rolle spielt, ist das Othering beziehungsweise der Ingroup/Outgroup Effekt. Hier wird besonders das Andersartige an einem Gegenüber betont (Othering) und auf dieser Grundlage wird der Andere abgelehnt und der sogenannten „Outgroup“ zugeordnet. Die neurologische Verarbeitung der „Outgroup“ unterscheidet sich von der Verarbeitung der eigenen „Ingroup“. Hirnareale, die zwischenmenschliche Interaktionen ermöglichen, sind weniger stark aktiviert – dies verringert auch das Mitgefühl gegenüber Mitgliedern der anderen Gruppe. Mitglieder der eigenen Gruppe werden tendenziell positiver wahrgenommen und gemeinsamen Eigenschaften der Gruppenmitglieder betont. Nicht-Mitglieder der Gruppe (Outgroup) werden hingegen pauschaler wahrgenommen und als andersartig und gegebenenfalls bedrohlich empfunden. Das kann soweit gehen, dass das Gegenüber nicht mehr als „Mensch“ wahrgenommen wird und somit so eingestuft wird, dass es keinen Respekt und gleichwertige Behandlung verdient.