Umgang mit Stress und Selbstschutz bei Hass im Netz

2.3 Hass als emotionaler Ausgleichsmechanismus (Kompensationsmechanismus)

Hass dient oft als emotionaler Kompensationsmechanismus für unerfüllte psychische Grundbedürfnisse von Täter*innen. Dies ist ein weiteres zentrales Motiv für die Verbreitung von Hass, da sich die Frustration jener Grundbedürfnisse auf diesem Weg kurzfristig abmildern lässt.

Es lassen sich vier Grundbedürfnisse des Menschen unterscheiden. Diese sind bei allen Menschen gleich:

 

Wenn die vier Grundbedürfnisse nicht erfüllt sind, erleben die Hater*innen ein Gefühl der Frustration, das schnell als bedrohlich erlebt wird und Aggressionen begünstigt. Das Ausleben von Hass kann die vier Bedürfnis-Säulen scheinbar kurzfristig stabilisieren, da bei den Täter*innen oft ein Gefühl von Macht, Gruppenzugehörigkeit und/oder Selbsterhöhung entsteht. Langfristig schadet der Hass aber den Täter*innen selbst, weil ihre eigentlichen Bedürfnisse weiterhin unerfüllt bleiben. Zudem begeben sie sich durch ihre Bedrohungsphantasien in die Opferposition und können sich in diese Rolle hineinsteigern. Auch Angst und Neid können Motive für Hasskommentare sein.

Hier spielen häufig auch Projektionen eine Rolle, wie zum Beispiel beim Sündenbock-Effekt. Dabei werden Frustrationen und Ängste auf gesellschaftlich diskriminierte Gruppen übertragen (projiziert) und diese werden für alle möglichen Missstände verantwortlich gemacht. Da sie in einer schwächeren Position sind, ist es für die Täter*innen bequem, ihre Aggressionen an Menschen auszulassen, die schon benachteiligt sind und sich schwerer wehren können.