Umgang mit Stress und Selbstschutz bei Hass im Netz

2.5 Kontextbedingungen

Das Auftreten von Hate-Speech ist auch abhängig von dem jeweiligen Kontext in dem sich der Hassvorfall ereignet.

Durch den Online-Enthemmungseffekt können Aggressionen und Hass im Internet viel leichter ausgelebt werden als in der analogen Welt. Dieser kommt einerseits zustande, weil hasserfüllte Äußerungen im Netz häufig anders als offline kaum negative Konsequenzen für den Angreifer haben. Anderseits kommt hinzu, dass für das Empfinden von Mitgefühl persönliche Begegnung zentral ist. In der Online-Interaktion ist das Gegenüber jedoch nicht (direkt) sichtbar und spürbar, wodurch es leichter entmenschlicht und ohne Mitgefühl behandelt werden kann.

Begünstigt wird Hass im Netz, wenn in einem Forum oder Chat Gewalt toleriert und nicht eindeutig abgelehnt wird. Menschen haben automatisch den Impuls, sich an ihre Umgebung anzupassen. Wenn sie den Eindruck erhalten, es ist für andere in Ordnung, das Gegenüber in der Diskussion zu entwerten und zu beleidigen, sinkt die Hemmschwelle, dies selbst auch zu tun. Es passiert, dass sich Menschen und Gruppen unsozialer und aggressiver verhalten, wenn das in ihrem (digitalen) Umfeld als normal angesehen wird. Man nennt das Broken-Windows Effekt. Sozialforscher*innen haben beobachtet, dass ein lange herumstehendes Auto mit bereits eingeschlagenen Fensterscheiben (engl. „Broken Windows“) viel eher demoliert wird, als ein Auto welches noch nicht stärker beschädigt ist.

In Internetforen kommt es außerdem zum Echokammer-Effekt: Treffen sich Gleichgesinnte in einem auf ihre Interessen spezialisierten Forum, gleichen sich ihre Meinungen immer mehr an und alternative Meinungen werden nicht mehr wahrgenommen und ausgeblendet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Online-Hass auf vor allem auf Zerrbildern und subjektiven Frustrationen der Angreifer*innen beruht. Diese haben vor allem mit Eigenschaften der Angreifer*innen selbst zu tun und spiegeln keine Defizite der Angegriffenen wieder.