Umgang mit Stress und Selbstschutz bei Hass im Netz

3.3 Nützliche Strategien bei der Konfrontation mit Hass

Trainings des Selbstbildes

Bei dieser Strategie geht es darum, ein realistisches Selbstbild aufzubauen oder zu bewahren. In sozialen Netzwerken stehen die Rückmeldungen und Reaktionen von (teilweise unbekannten) Anderen, also die Fremdbilder, übermäßig im Vordergrund. Um nun ein realistisches Selbstbild zu stärken ist es nützlich, soziale Netzwerke nicht übermäßig oder z.B. nur zu gewissen Zeiten zu nutzen. Stattdessen sollte die Eigenwahrnehmung stärkeres Gewicht erhalten und darüber reflektiert werden: „Wie fand ich das, wie sehe ich mich?“ Zusätzlich ist es hilfreich, sich konstruktive Fremdbilder und Rückmeldungen von Freund*innen und Kolleg*innn einzuholen. Auf diese Weise können negative und vernichtende Fremdbilder auf ihren Realitätsbezug geprüft und abgebaut werden.

Wahrnehmungs-Entzerrung

Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass bei Hass im Netz Verzerrungsprozesse am Werk sind: Die Täter*innen sind eine laute Minderheit und posten sehr aktiv, während die überwiegende, zumeist schweigende Masse eher neutral eingestellt ist. Hier ist es hilfreich, sich auf die positiven Rückmeldungen zu konzentrieren und Entlastung und Bestätigung in seiner Bezugsgruppe zu suchen. Schließlich ist es hilfreich, zu reflektieren, dass die Angreifer*innen nur wenige Menschen sind, deren Motive/Gründe für die Attacken darüber hinaus wenig bis selten mit den Angegriffenen selbst zu tun haben.

Weises Weltbild

Es ist nur allzu menschlich, dass wir kognitiv zwar einen ausgewogenen Realitätsbezug haben, aber emotional unrealistische Erwartungen an die Welt haben, wie z.B. „die Welt soll für alle Menschen gerecht sein“ und „ich lebe in absoluter Sicherheit“. Diese Erwartungen werden in der Realität jedoch häufig frustriert. Um mit diesen Frustration umzugehen, ist es hilfreich ein realistisches „weises“ Weltbild zu entwickeln und einfache Glaubenssätze durch differenzierte/ Glaubenssätze zu ersetzen, die den tatsächlichen Umständen angepasst sind. Auf diese Weise ist es möglich, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen, diese annehmen zu können, sowie Widersprüche und Ungewissheiten aushalten.