Neue Internetplattform will tausende Menschen gegen Hass im Netz mobilisieren


(Berlin & Lüchow) Ein Start-Up aus der Friedensbewegung will Zivilcourage ins Netz bringen. Die neue LOVE-Storm-Internetplattform plant hunderte Trainings, in denen Betroffene und Interessierte lernen, Hassangriffe im Netz zu stoppen. Der Clou: Stoßen Trainierte auf Hasskommentare oder werden selbst angegriffen, können sie sich gegenseitig und andere LOVE-Stormer*innen zur Hilfe rufen. Eine Community entsteht, in der niemand mehr alleine auf Hass und Hetze reagieren muss.

Launchfeier am 12. September in Berlin

Auf dem Eröffnungspodium sprechen der SPD Bundestagsabgeordnete Dr. Karamba Diaby und die Journalistin Gilda Sahebi. Neben LOVE-Storm stellen sich weitere Initiativen gegen Hass im Netz vor, vom Jüdischen Forum bis jugendschutz.net. (www.love-storm.de/launchparty)

LOVE-Storm Gründer Björn Kunter hatte als Zivilcouragetrainer in den neunziger Jahren miterlebt, wie die Zivilcourage Idee entstand und sich so schnell verbreitete, dass die damalige Welle rechtsextremer Pogrome gestoppt werden konnte. „Als ich dann selber Opfer eines kleinen Shit-storms wurde und später beobachtete, wie sich eine neue Welle von Hasskommentaren gegen Geflüchtete richtete, begann ich LOVE-Storm zu entwickeln“ so Kunter weiter.

Angst im Netz …

„No Go Areas“ oder Angstzonen gibt es heute nicht nur in Chemnitz, sondern auch im Netz. In vielen Foren können sich etwa Frauen, farbige Menschen, Transleute, Menschen mit Behinderungen nicht offen zu erkennen geben, ohne angefeindet zu werden. „Lösch Dich“ ist oft nur die eindeutigste aber bei weitem nicht drastischste Forderung, denen Menschen ausgesetzt sind, die es wagen anders zu sein oder eine andere Meinung vertreten.

… überwinden

Das Problem sind jedoch nicht nur die Angreifenden, sondern auch die Menschen, die wegschauen und dadurch den Hass legitimieren und groß werden lassen. Hier setzt LOVE-Storm an: In Trainings üben Interessierte, die Schwelle des Eingreifens zu überwinden. Sie lernen Angegriffene zu stärken, Zuschauende zu mobilisieren und den Angreifenden gewaltfrei klare Grenzen zu setzen.

Bis Ende des Jahres will LOVE-Storm 500, im nächsten Jahr dann tausende Menschen trainieren. Damit sich Zivilcourage im Netz aber wirklich massenhaft verbreiten kann, sucht LOVE-Storm jetzt bundesweit nach Bildungsträgern, die sich zertifizieren lassen, um die Plattform in ihre eigene Bildungsarbeit zu integrieren. Björn Kunter stellt klar: „Wir wollen nicht das nächste #ichbinhier oder Reconquista Internet werden. Wir sehen LOVE-Storm als Plattform auf der hunderte unterschiedlichste Initiativen, Organisationen und Gruppen – vom Schulprojekt über die Flüchtlingsinitiative bis zur Kirchengemeinde – lernen sich zu organisieren und ihr kleines Stückchen Internet vom Hass befreien können.

LOVE-Storm wird gefördert durch das Programm „Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums und „Aktion Mensch“.

Pressemitteilung vom 4.9.2018